Die verstrickte Dienstagsfrage 40/2014

Das Wollschaf hat heute eine sehr sehr wichtige Frage zur Diskussion gestellt:

Bin ich ein Hausmütterchen und trete ich dem Feminismus ins Knie, wenn ich Handarbeiten mache?

Wieder einmal beschwört ein abwertender Artikel über handarbeitende Frauen einen Shitstorm in Netz herauf.

Was denkst Du?
Warum fühlen sich so viele Frauen sofort angegriffen und gehen in den Verteidigungsmodus, sobald jemand abwertend über Handarbeiten schreibt?

Mangelt es der handarbeitenden Frauenwelt vielleicht einfach nur an dem Selbstbewusstsein, über solches Geschreibsel mit einem milden Lächeln hinwegzusehen?

Mein morgendlicher Puls ist nicht aufgrund des Kaffees angetrieben worden, soviel kann ich schon sagen.

Sicher, bei vielen Menschen fehlt es an Selbstbewusstsein, wenn sie sich von diesem Artikel angegriffen fühlen. Doch damit kann man das Thema nicht stehen lassen.

Die Autorin schreibt, Frauen sollen doch bitte Pilotin werden und nicht Decken häkeln und es zu Hause heimelig machen – weil wir es ja heute können.

Ich habe einige Punkte kritisch anzumerken: Wo ist die Gleichheit der Geschlechter abgebildet? Als Feministin zu vergessen, dass auch Männer handarbeiten wird glatt unterschlagen – wobei…. Wenn Männer “handwerken”, dann geht das doch auch NEBEN dem BEruf und der Familie, oder? Hm. Also, auch Männer stricken und häkeln. Das hat mit dem Geschlecht nichts zu tun. Vielleicht kennt ihr wenige, dennoch gibt es sie. Ich mag Verallgemeinerungen nicht, doch kann ich mir vorstellen, dass die meisten keine Lust haben, in der Handarbeitsonlinewelt ihren Beitrag zu leisten, denn, schaut man mal mit diesem Auge drauf, da wird nur von “Mädels” und “Damen” geredet. In Sachen Gender Equality hat die Handarbeitsszene noch viel aufzuholen. Vielleicht würde es dann auch weniger solcher abwertender Artikel geben.

Immer wieder passend dazu:

Both men and women should feel free to be sensitive. Both men and women should feel free to be strong… It is time that we all perceive gender on a spectrum not as two opposing sets of ideals.

“Frauen” wollen lieber über DaWanda Geld machen als zu studieren und die Karriereleiter zu erklimmen. Nun, hätte sich die Autorin mal die Mühe gemacht, die Onlineshops eine Weile zu beleuchten und zu rechnen wüsste sie, dass man damit nur in Ausnahmefällen (Wollmeise…) eine Existenz darauf gründen kann. In 99.99% der Fälle ist es das, was DaWanda ist: Ein Marktplatz für Kleinigkeiten. Garn färben macht Spaß, wenn was übrig bleibt, kann man ja versuchen, die nächste Lieferung ein wenig querzufinanzieren. – Und ich vermute jetzt mal, dass kaum jemand sagt: “Ach, mein Abitur habe ich zwar erfolgreich gemeistert, aber auf Studium und Karriere habe ich keine Lust, ich setze mich lieber hin und stricke”. – Das ist Unsinn. Die meisten, die ich kenne, arbeiten tags in einem gesellschaftlich anerkannten, sozialversicherungspflichtigen Baruf und abends verbringen sie ihren Feierabend mit  Handarbeiten. Was ist daran verkehrt? ( außer der Tatsache, dass das, was die Gesellschaft hoch achtet, nicht immer zwangsläufig gut und richtig ist) Im Übrigen gibt es sicher auch Pilotinnen, die stricken.

Wirklich ärgerlich fand ich diesen Satz:

Wo sonst erreicht man so viel Öffentlichkeit für so wenig Können?

Hm, das tut immer wieder weh. Weil ich weiß, wieviel Lehrgeld darin streckt, einen Norwegerpullover zu stricken. Wieviel Leistung  und Können darin steckt, Fasern zu färben und zu spinnen, um genau das Garn zu produzieren, was ich mir vorstelle. Die Autorin fände es sicher besser, ich würde eine Wochenendschicht auf Arbeit einschieben und dann das Geld für den Pullover einem Kleidungskonzern vor die Füße kotzen. Weil- “Wir Frauen” können das ja jetzt und alles andere wäre gegen Feminismus.

Selbstbestimmung. Freiheit. Eigene, individuelle Werte. All das ist ja nichts wert. Weil ich anstelle dessen besser offen und provokant einen Flashmob gegen Vergewaltigung und für Frauenrechte organisieren sollte. Oder ein einem politischen Blog lesen- nein, schreiben!. Oder 24/7 im Anzug im Büro sitzen sollte. Das sollten Frauen heute machen! Das ist Feminismus.

Hey.

Sehe ich anders. Liebe Autorin, dein Artikel bildet mich nicht ab.

—-

Edit: Zu dem Thema ein grandioser Artikel bei BESTRICKEND UMGARNT – Er spricht mir aus der Seele.

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2 thoughts on “Die verstrickte Dienstagsfrage 40/2014

  1. Pingback: Die verstrickte Dienstagsfrage fragt auch nach Brigitte | BESTRICKEND UMGARNT

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