Wende dein Gesicht der Sonne zu…

…und die Schatten werden hinter dich fallen.

So oder so ähnlich las ich den Spruch gestern in einem Fenster. Ein Fenster in meiner Stadt. Mein Weg, mein Kopfsteinpflaster. Mein Klang von qietschenden Straßenbahnen. Ich atmete ihre Luft, ihren Klang, ihr Leben.

Und wieder ließ ich sie zurück. Wie so oft. Für das neue Leben.

Ein Haus, Arbeit,drei gesunde Kinder. Wir haben offensichtlich alles geschafft, alles richtig gemacht hier. Familenauto, abbezahlt. Die Kinder in der Schule, guter Lernfortschritt.

Wir haben alles erreicht, was es in diesem Spiel zu gewinnen gibt. Game won! Hier ist dein Gewinn:

Es macht uns nicht glücklich! Nein, es reibt, zerrt, schreit, beisst, wie ein wildes Tier. Wir sind fremd hier. Die Stadt bekämpft uns wie einen Virus, lässt Antikörper auf uns los. Gemeinsam einsam. Losgelöst.

Als schlügen unsere Herzen in einem anderen Takt.

Und dann kommt die Sehnsucht.

Sehnsucht ist gefährlich. Ein schnelles Feuer, was hoch brennt. Doch nährt man es nicht, versiegt es schnell. Ein wenig Asche bleibt zurück. Ganz wenig. Doch was ist, wenn man es nährt? Mit Unzufriedenheit, Hilflosigkeit, Einsamkeit – Beliebigkeit? Dann brennt es und brennt es. Nicht immer gleich stark, aber konstant. Und hinterlässt bleibende Narben.

“Für euch ist es doch leicht, woanders Fuß zu fassen, ihr seid doch jung!” Dies hörte ich kürzlich und immer wieder schüttelt sich mein Körper vor Graus. War es das? Leicht? Wegzugehen, neu anzufangen? Was, wenn die Optionen nicht per default richtig waren? Was, wenn sich Hoffnungen auch nach Jahren nicht erfüllen? Was, wenn die Sehnsucht krank macht? Was, ja, was nützen dann Haus, Arbeit, ein abbezahltes Auto und ein Arbeitsplatz?

Nichts.

Dann kann man entweder aufgeben. Game over.

 

Oder wir starten neu. Neue Pläne. Neues Risiko. New Game. Das Leben verändert sich. Bleibe ich starr, reisst es auf, bluetet und geht kaputt. Nur wer mit tanzt, sich windet, wendet, wächst und springt, nimmt daran teil. Was gestern gepasst hat, ist heute zu klein. Was heute sättigt, ist morgen verdorben.

Ich mag nicht mehr im Schatten leben. Hier ist es kalt.

 

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